Podiumsdiskussion „Der Wolf in der Rhön“ – Spannungsfelder und Perspektiven
„Der Wolf hat einen schlechten Ruf.“ Mit dieser einleitenden These startete Moderator Rainer Ickler, Redakteur der Fuldaer Zeitung, die facettenreiche Podiumsdiskussion, zu der die Eduard-Stieler-Schule am 02. Juni einlud. Der „böse Wolf“ begegne uns bereits im Kindesalter in Märchen und seine Darstellung rufe oftmals Angst hervor. Nachdem der Wolf um 1870 als ausgerottet galt, sei er seit circa 25 Jahren zurück in Deutschland und seit etwa 10 Jahren wieder in der Rhön zu Hause. Diese Entwicklung werfe Fragen auf, die in der Bevölkerung kontrovers diskutiert werden.
Biologe und Naturfilmer Dr. Heribert Schöller verdeutlichte zu Beginn die wichtige Funktion des Wolfes für die Evolution und die enge Korrelation zwischen Beutegreifern und Beutetieren, die sich auch positiv auf die Vegetation auswirke.
Dem entgegen stünden die sorgenvollen Gedanken der Landwirte, die der Bürgermeister der Gemeinde Ehrenberg, Peter Kirchner (parteilos), vortrug. Nicht nur der wirtschaftliche Schaden sei von Bedeutung, auch die emotionale Belastung, die insbesondere bei mehrfachen Rissen aufkomme und die Arbeit mit Weidetieren in der Rhön in Frage stelle, beschäftige die Gemeinde.
3 Territorien in Hessen
In Hessen gebe es mittlerweile drei feste Territorien in Greifenstein, Rüdesheim und Waldkappel sowie ein Territorium im bayerischen Wildflecken. Sowohl für das Monitoring der Wölfe als auch die Bewertung der Nutztierschäden ist das Wolfszentrum zuständig, das in der Runde durch Frau Luisa Traut vertreten wurde. Frau Traut verwies auf die Arbeit des Wolfszentrums als direktem Ansprechpartner bei Verdacht auf einen Wolfsriss. In diesem Zusammenhang meldete sich Landwirt und Vorsitzender des Verbands der Jagdgenossenschaften und Eigenjagdbesitzer im Landkreis Fulda, Richard Hahn, zu Wort. Er kritisierte die bürokratischen Hürden, die den Landwirten auferlegt würden, sowie die unangemessen lange Dauer der Schadensregulierung. Hieran schlossen sich die Ausführungen von Dr. Rudolf Leinweber, Vorsitzender des Jagdverbands Rhön-Vogelsberg, der beschrieb, dass die rechtliche Stellung des Wolfes zwar von „streng geschützter“ zu „geschützter Wildjagd“ wechselte, dies jedoch erst langfristig gesehen Auswirkungen haben könne. Er warb dafür, die gegenseitige Akzeptanz zu fördern, auch mit Blick auf die Arbeit der Jäger, die keiner Stigmatisierung unterliegen sollte. Insbesondere die Bejagung sogenannter Problemwölfe sei ein Thema, das auch in der Bevölkerung thematisiert würde.
Herdenschutzhunde als Teil der Lösung
Als Lösungsansatz zur Vermeidung von Rissen wurde die Kombination aus „Zäunen, Elektrik und Herdenschutzhunden“ diskutiert. Während Dr. Schöller dies als effektivste Form des Schutzes bewarb, stellte Herr Hahn die Schwierigkeiten bezüglich der Einzäunung, der Kosten und der Hundehaltung in den Vordergrund.
Für die Begegnung des Menschen mit einem Wolf empfahlen die Anwesenden, sich zum Beispiel durch Klatschen oder lautes Rufen bemerkbar zu machen. Im Normalfall meide ein Wolf die Begegnung mit Menschen, gefährlich würde die Situation, wenn das Tier an Tollwut erkrankt sei.
Der Meinungsaustausch war geprägt von gegenseitigem Respekt und wurde umrahmt durch die wertschätzenden Worte der Schulleiterin Isabel Herbert, die allen Beteiligten ihren Dank aussprach.
Text: Carmen Mötzung
Bilder: Bild Wolf: KI-generiert, Fotos: Thimo Maase
Bildunterschrift Gruppenfoto v.l.
Abteilungsleiterin Julia Pappert, Peter Kirchner, Luisa Traut, Dr. Heribert Schöller, Rainer Ickler, Dr. Rudolf Leinweber und Richard Hahn